{"id":60,"date":"2019-02-20T01:40:33","date_gmt":"2019-02-20T00:40:33","guid":{"rendered":"http:\/\/positronikpunk.de\/?p=60"},"modified":"2019-02-20T10:58:16","modified_gmt":"2019-02-20T09:58:16","slug":"eine-heftromanserie-als-konkrete-utopie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/positronikpunk.de\/?p=60","title":{"rendered":"Eine Heftromanserie als Konkrete Utopie"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-65\" src=\"http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/250px-Kurt_Bernhardt.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"230\" \/><em> \u00a9 Pabel\u2011Moewig Verlag KG, Rastatt<\/em><\/p>\n<p>Als\u00a0 Cheflektor Kurt Bernhardt vom M\u00fcnchner Moewig-Verlag im Herbst 1960 die Idee hatte, ausgerechnet Karl-Herbert Scheer und Walter Ernsting (alias Clark Darlton) f\u00fcr eine neue Heftromanserie zu gewinnen, wusste er wohl bereits, wen er da eingestellt hat. Scheer und Ernsting waren schon seit den 1950er Jahren als erfolgreiche Autoren in der kleinen, aber feinen deutschen SF-Szene bekannt. Bernhardt beauftragte also f\u00fcr die neue Serie den damaligen Franz Beckenbauer und G\u00fcnter Netzer des technisch-utopischen Romans. Eine wohl einmalige Konstellation, bedenkt man, dass Autoren ja oftmals Leute sind, denen \u2013 vorsichtig ausgedr\u00fcckt\u00a0\u2013 Teamarbeit nicht auf den Leib geschrieben steht. Die Robustheit und Trinkfestigkeit des Gr\u00fcndungsduos waren konstitutiv f\u00fcr die halbwegs friedliche Zusammenarbeit an der gemeinsamen Serie.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-66\" src=\"http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1880992274-ernsting_scheer_030119_4c-KMzYESJjqa7-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1880992274-ernsting_scheer_030119_4c-KMzYESJjqa7-300x169.jpg 300w, http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1880992274-ernsting_scheer_030119_4c-KMzYESJjqa7-768x432.jpg 768w, http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1880992274-ernsting_scheer_030119_4c-KMzYESJjqa7.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><em> \u00a9 Pabel\u2011Moewig Verlag KG, Rastatt<\/em><\/p>\n<p>Beide Autoren waren stark gepr\u00e4gt von den entbehrungsreichen Kriegsjahren: Walter Ernsting war im Zweiten Weltkrieg seit Kriegsbeginn bei der Wehrmacht und geriet 1945 in russische Kriegsgefangenschaft, u.a. ab 1947 im kasachischen Straflager in Karaganda. Der j\u00fcngere K. H. Scheer meldete sich freiwillig zur Kriegsmarine und absolvierte hier einen technischen Lehrgang bei der U-Boot-Waffe, kam aber nicht mehr zum Einsatz.<\/p>\n<p>Diese Erfahrung dessen, was Krieg bedeutet, verl\u00e4ngert sich in den 50er und 60er Jahren zur st\u00e4ndigen Bedrohung der gesamten Menschheit durch einen m\u00f6glichen Atomkrieg der Superm\u00e4chte USA und Sowjetunion. 1961 n\u00e4hert sich der Kalte Krieg seinem dramatischen H\u00f6hepunkt: 12. April: Juri Gagarin ist der erste Mensch im Weltraum, 17. April: Invasion in der Schweinebucht auf Kuba, 13. August: Baubeginn der Berliner Mauer. Die Spannungen in der Welt nehmen \u00fcberall zu. Das geteilte Deutschland ist dabei eher ein passiver Zuschauer. Gleichwohl ist allen bewusst, dass ein Krieg zwischen den Superm\u00e4chten gerade auch auf deutschem Boden ausgefochten w\u00fcrde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-61\" src=\"http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1658.jpg\" alt=\"\" width=\"627\" height=\"476\" srcset=\"http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1658.jpg 627w, http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1658-300x228.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/p>\n<p>Das Rennen der Superm\u00e4chte wird nach dem Sputnik-Schock von 1957 und dem Erfolg des Kosmonauten Gagarin auch im Weltraum ausgetragen. Der frischgebackene US-Pr\u00e4sident Kennedy k\u00fcndigt am 25. Mai 1961 vollmundig an, dass die Amerikaner alle Kr\u00e4fte anspannen sollten, um einen Menschen auf den Mond zu bringen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-62\" src=\"http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/kennedy.png\" alt=\"\" width=\"701\" height=\"256\" srcset=\"http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/kennedy.png 701w, http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/kennedy-300x110.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 701px) 100vw, 701px\" \/><\/p>\n<p>Scheer und Ernsting nehmen dies als Ausgangsbasis ihrer literarischen \u00dcberlegungen. Die Geschichte, die sich vor ihren Augen vollzieht, wird zur Folie der entstehenden Heftromanserie. Vorgegangen wird dabei nach dem Prinzip der <em>technischen Extrapolation<\/em>, d.h. Scheer nimmt an, dass 10 Jahre sp\u00e4ter alle Mittel f\u00fcr eine amerikanische bemannte Mondlandung bereitstehen. Diese realistisch gedachte Hochrechnung von technischen M\u00f6glichkeiten, also von Wostok 1 bis zu Apollo 11, bildet das Grundverfahren, um dem Setting von Perry Rhodan den richtigen Anstrich zu verleihen. Unmi\u00dfverst\u00e4ndlich stellt Scheer im Begleitbrief zu seinem Entwurf f\u00fcr Perry Rhodan klar:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wenn Sie jedoch das \u00fcbliche Tralala mit 3- bis 4-Mann-Abenteuerchen im Weltraum w\u00fcnschen, wenn Sie nicht erkl\u00e4rt haben wollen, warum dieses und jenes Raumschiff \u00fcberhaupt fliegen kann, dann bin ich in der geplanten Serie fehl am Platze.&#8220; (Perry Rhodan Chronik, Band 1, S. 59)<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach seinen noch im Leihbuch-Format publizierten Vorl\u00e4uferserien &#8218;Klaus Tannert&#8216; und &#8218;Zur besonderen Verwendung&#8216;, es handelt sich um technisch-utopische Agentenkrimis, zielt Scheer mit Perry Rhodan jetzt auf den gro\u00dfen Wurf, in das er sein gesamtes handwerkliches K\u00f6nnen hineinlegen will. Sowohl die (seinerzeit wegen Jugendgef\u00e4hrung indizierten) Abenteuer um den Testpiloten und Frauenschwarm Klaus Tannert als auch die Weltraumabenteuer des Thor Konnat, dem Topagenten der Geheimen Wissenschaftlichen Abwehr nehmen vieles vorweg, was bei Perry Rhodan in verwandelter Form dann Jahre sp\u00e4ter wieder auftaucht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-63\" src=\"http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Tannert_01_KampfUmGE83-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Tannert_01_KampfUmGE83-184x300.jpg 184w, http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Tannert_01_KampfUmGE83.jpg 491w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-64\" src=\"http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Scheer_KommandosacheHC9-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Scheer_KommandosacheHC9-212x300.jpg 212w, http:\/\/positronikpunk.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Scheer_KommandosacheHC9.jpg 566w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a9 Pabel\u2011Moewig Verlag KG, Rastatt Als\u00a0 Cheflektor Kurt Bernhardt vom M\u00fcnchner Moewig-Verlag im Herbst 1960 die Idee hatte, ausgerechnet Karl-Herbert Scheer und Walter Ernsting (alias Clark Darlton) f\u00fcr eine neue Heftromanserie zu gewinnen, wusste er wohl bereits, wen er da eingestellt hat. 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